Soldaten simulieren im Irrgarten den Häuserkampf

Am Standort Pfullendorf investiert die Bundeswehr zwei Millionen Euro in eine neue Ausbildungseinrichtung

 

 

 

Über dem Übungslabyrinth befindet sich ein Glasgang, von dem aus sich das Geschehen beobachten lässt. Licht- und Toneffekte sorgen für eine realitätsnahe Umgebung, mobile Videokameras zeichnen Bild und Ton auf.

 

Große Schlachten auf offenem Feld sind für die Bundeswehr von heute kein Thema. Stattdessen werden die Anforderungen immer komplexer, in Zeiten des globalen Terrorismus müssen Soldaten flexibel auf verschiedene Szenarien reagieren können. Der Einsatz in Gebäuden spielt eine immer größere Rolle. Um diese besser üben zu können, hat die Bundeswehr am Standort Pfullendorf zwei Millionen Euro in ein sogenanntes Maze-Haus investiert. Im Frühjahr soll die Einrichtung in Betrieb genommen werden.

 

Warum der Einsatz in Gebäuden eine Herausforderung ist, erklärt Presseoffizier Thomas Merten. „Wer geht zuerst rein und wo geht er hin? Die Antworten auf diese Fragen müssen die anderen kennen – denn die haben ja auch Waffen“, sagt er. „Es geht darum, nicht selbst getroffen zu werden und keine eigenen Männer zu verletzen. Wie das am besten funktioniert, wissen grundsätzlich weder Soldaten noch Polizisten.“ Deshalb sei eine entsprechende Ausbildung wichtig.

 

Kameras übertragen Bild und Ton

Bei dieser Ausbildung bietet das Maze-Haus – „Maze“ steht im Englischen für Irrgarten – ganz neue Möglichkeiten: Im Zentrum der Übungshalle wurden mit versetzbaren Holzplatten Gänge und Räume errichtet, in denen sich die Soldaten erst einmal zurechtfinden müssen. 25 Kameras mit Richtmikrofonen halten jede Sekunde des Übungseinsatzes in Bild und Ton fest und übertragen das Geschehen bei Bedarf live in einen Konferenzraum. Licht- und Geräuscheffekte bieten den Soldaten eine realitätsnahe Umgebung. „Die Scheinwerfer lassen sich beispielsweise über einen Tablet-PC steuern“, sagt Oberstabsfeldwebel Thomas Kreitinger. „Jedes Szenario ist denkbar.“ So lasse sich die Halle beispielsweise komplett abdunkeln.

 

Von der genauen Art der Übung hängt ab, wie viele Soldaten sich gleichzeitig in der Übungshalle aufhalten. Den Gebrauch ihrer Schusswaffen simulieren die zehn bis 20 Mann mit Farbmunition. Mithilfe von Holz- oder Metallstiften lässt sich an speziellen Türen deren Aufbrechen oder Aufbiegen üben – ohne, dass sie tatsächlich kaputt gehen. An anderen Spezialtüren lässt sich das Aufschießen trainieren. Über dem Übungslabyrinth befindet sich ein Glasboden-Gang, von dem aus der Einsatz beobachtet werden kann.

 

Mit der umgebauten Halle aus den 50er-Jahren ist ein zwölf Meter hoher Turm verbunden. Auf diesen können sich Soldaten von einem Hubschrauber aus abseilen. Sie können aber auch den umgekehrten Weg gehen und von außen am Turm hochklettern – an einem Kletternetz, an Klettersteigen, einem Knotenseil oder einer Hängeleiter. Auf der anderen Seite der Halle befindet sich zudem ein neuer Schießplatz.

 

Einrichtung erspart lange Wege

„Das Besondere am Maze-Haus ist neben der modernen Technik, dass es die verschiedenen Übungsmöglichkeiten vereint“, sagt Thomas Merten. Bislang müssten die Soldaten je nach Einsatzszenario zu unterschiedlichen Stellen oder Standorten fahren. In erster Linie sei die neue Einrichtung für die Soldaten des Ausbildungszentrums Spezielle Operationen geschaffen worden. „Bei freien Kapazitäten bietet sich das Haus aber auch für Sondereinsatzkommandos oder mobile Einsatzkommandos an“, sagt Merten.

 

Dass sich die Baukosten auf zwei Millionen Euro summieren, liegt unter anderem an der modernen Technik. „Da kommt eins zum anderen: die aufwändige Stahlträgerkonstruktion, die Beleuchtung, die Spezialtüren“, sagt Bauleiter Frank Westphal vom Staatlichen Hochbauamt Ulm. „Allein der Turm hat 30000 Euro gekostet.“ Mit der Planung des Maze-Hauses hatte die Bundeswehr bereits vor neun Jahren begonnen. „Baubeginn war im September 2014, die endgültige Fertigstellung ist für April 2016 geplant“, sagt Thomas Kreitinger. Nimmt die Bundeswehr die Einrichtung in Betrieb, verfügt sie über eines der modernsten Ausbildungszentren weltweit. „So etwas in der Form gibt es in ganz Europa nicht“, sagt Thomas Merten.

 

Quelle: Schwäbische Zeitung (veröffentlicht am 11.12.2015)

 

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